Eduards Traum - Wilhelm Busch - Страница 1 из 71


haben es leider so an sich, daß sie uns gern ihre Träume
erzählen, die doch meist nichts weiter sind, als die
zweifelhaften Belustigungen in der Kinder- und Bedientenstube des
Gehirns, nachdem der Vater und Hausherr zu Bette gegangen. Aber
»Alle Menschen, ausgenommen die Damen«, spricht der Weise,
»sind mangelhaft!« Dies möge uns ein
pädagogischer Wink sein. Denn da wir insoweit alle nicht nur
viele große Tugenden besitzen, sondern zugleich einige kleine
Mängel, wodurch andere belästigt werden, so dürften wir
vielleicht Grund haben zur Nachsicht gegen einen Mitbruder, der sich
in ähnlicher Lage befindet. Auch Freund Eduard, so gut er
sonst war, hub an, wie folgt: Die Uhr schlug zehn. Unser kleiner
Emil war längst zu Bett gebracht. Elise erhob sich, gab mir einen
Kuß und sprach: »Gute Nacht, Eduard! Komm bald
nach!« jedoch erst so gegen zwölf, nachdem ich, wie
gewohnt, noch behaglich grübelnd ein wenig an den Grenzen des
Unfaßbaren herumgeduselt, tat ich den letzten Zug aus dem
Stummel der Havanna, nahm den letzten Schluck meines Abendtrunkes zu
mir, stand auf, gähnte vernehmlich, denn ich war allein, und ging
gleichfalls zur Ruhe. Eine Weile noch, als ich dies getan, starrt
ich, auf der linken Seite liegend, ins Licht der Kerze. Mit dem
Schlage zwölf pustete ich's aus und legte mich auf den
Rücken. Vor meinem inneren Auge, wie auf einem gewimmelten
Tapetengrunde, stand das Bild der Flamme, die ich soeben gelöscht


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