Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth - Wilhelmine von Bayreuth - Страница 1 из 711


1732 Friedrich Wilhelm, König von Preußen,
vermählte sich als Kronprinz im Jahre 1706 mit Sophie Dorothea
von Hannover. Sein Vater, König Friedrich I., hatte ihm die Wahl
zwischen drei Prinzessinnen gelassen: der Prinzessin von Schweden,
Schwester Karls XII., der Prinzessin von Sachsen-Zeitz und der
Prinzessin von Oranien, Nichte des Fürsten von Anhalt. Dieser
Fürst, der sich stets der innigsten Zuneigung des Kronprinzen
erfreut hatte, glaubte nicht anders, als daß seine Nichte die
Erkorene sein würde. Allein das Herz des Kronprinzen war für
die Reize der Prinzessin von Hannover entflammt; er schlug jene drei
Partien aus und wußte durch seine Bitten und Intrigen die
Einwilligung seines königlichen Vaters zu dieser Ehe zu erlangen.
Ich muß einiges über den Charakter der Hauptpersonen am
damaligen Hofe zu Berlin vorausschicken, und besonders über den
des Kronprinzen. Dieser Prinz, dessen Erziehung dem Grafen Dohna
anvertraut worden war, besitzt alle Eigenschaften, die einen
großen Menschen kennzeichnen. Sein Geist ist edel und
befähigt ihn zu den größten Taten; er hat eine leichte
Auffassungsgabe, viel Urteilskraft und Fleiß und natürliche
Güte; von seiner frühesten Jugend an bezeigte er stets eine
entschiedene Vorliebe für das Militär; es war seine
größte Leidenschaft, und er hat sie vollauf gerechtfertigt,
indem er seine Armee in so vortrefflichen Stand setzte. Sein
Temperament ist lebhaft und aufbrausend und hat ihn oft zu


-10     пред. Страница 1 из 711 след.     +10