Die Nann - Anna Croissant-Rust - Страница 1 из 299


  Erfurt 1935
Gebr. Richters / Verlagsanstalt    
1 Langsam kam der Kuchler-Anderl den sonnigen Abhang herauf
gegen sein kleines Haus zu. Alle paar Schritte blieb er stehen und
schaute umher. Er trug seine Feiertags-Montur und war rasiert, denn er
hatte gerade sein Weib eingraben lassen, das zweite, die Marietta.
Drunten in St. Jodok saßen die andern noch beim
Leichentrunk, seine Mädeln, der Bub, der Anderl, und ein
weitschichtiger Vetter aus der Freundschaft. Das heißt aus der
seinen, denn das Weib war eine Welsche gewesen, und von ihrer
Sippschaft wollte er nichts wissen. Es wäre wohl besser gewesen,
er hätte von ihr, von der Schwarzen, auch nie etwas gewußt!
Mußte ihn denn der Teufel auf Arbeit über den Brenner
führen und mußte er gerade in dem Wirtshaus
hängenbleiben, wo sie den Roten schenkte? Alle hatten es ihm
gesagt, es wird nichts Gutes daraus mit der welschen Hexe – er
hatte sie kaum ein Jahr, und schon lag sie auf dem Schragen, und in
der Wiege schrie der kleine Balg, das Mädel mit den weißen
Haaren. War das je bei den Kuchlers vorgekommen, daß sie
Kinder hell von Haut und Haar bekamen? Braun waren sie, die Haut wie
Leder, schwarz und straff das Haar; er war so, seine Geschwister alle
und die Kinder von der Ersten. Kuchlergesichter, dunkle,
zerknitterte Gesichter, knochig, hager, mit schwarzen Augen und
buschigen Brauen, der Körper langgestreckt und sehnig. Nur der


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