Pimpernellche - Anna Croissant-Rust - Страница 1 из 137


Geschichten     Verlegt bei Schuster &
Loeffler
Berlin und Leipzig
1901     Pimpernellche
Pimpernellche war nur ihr Schmeichelname, der Vater hatte sie so
getauft und niemand nannte sie mehr anders; eigentlich hieß sie
Nelly, Nelly Heß und war ein kleines, altgescheites, naseweises,
phantastisches und dabei doch überaus schüchternes
Persönchen, für das der Name nicht schlecht paßte. Er
kam nicht etwa daher, daß sich Nelly viel im Garten
herumgetrieben hätte, wo das wohlschmeckende Kräutlein
Pimpinell neben den anderen Salatkräutern gedieh, dem
feinblättrigen Estragon und dem rauhen Borasch, er gefiel eben
dem Vater und war gar nicht verwunderlich, wenn man das Kind kannte.
Es war etwas Erfahrenes, Überlegtes in seinem Wesen, das sich
sehr gut durch das »Pimper« ausdrückte, und wieder
etwas Weiches, Ratloses, dem das »Nellche« entsprach.
Stirn und Nase sahen ganz resolut aus, letztere 10 ein keckes
Stumpfnäschen, aber Kinn und Mund zerflossen hilflos. Ganz
gewiß keine Schönheit, das kleine Pimpernellche, und doch
unter den Vieren Vaters Liebling, die Älteste, die
Vernünftigste, und in seinen Augen auch die Liebenswerteste.
Nein, vom Garten kam der Schmeichelname nicht, den sah Pimpernellche
selten genug; sie hatte sich schon früh gewöhnen
müssen, der Mutter die meisten Pflichten abzunehmen. Diese
saß die meiste Zeit im Lehnstuhl, durch eine Krankheit am Gehen


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