Magister Rößlein - Carl Wilhelm Salice Contessa - Страница 1 из 47


der Stadt Bamberg lebte vor Zeiten ein gelehrter Mann, namens Magister
Rößlein, der in der griechischen und lateinischen Sprache
wohl erfahren, auch in der Musik und andern freien Künsten nicht
ungeübt war. Weil er aber, von Natur stiller und blöder
Gemütsart, weder etwas aus sich selber zu machen, noch sich hohe
Gönner und Freunde zu erwecken wußte, so hatte Fortuna, die
als ein Weib nur kecken Gesellen hold ist, sich ihm nimmer freundlich
erweisen wollen; er mußte vielmehr als Ratskopist und nebenbei
mit Unterricht in alten Sprachen und Musik sich fast kümmerlich
durch die Welt schleppen, und kam, der Ordnung und Sparsamkeit
überdies wenig ergeben, und dem Weinglas etwas über die
Gebühr zugetan, in seiner Wirtschaft von Tag zu Tage mehr
zurück. So geschah es denn, um solchem Übel auf einmal
einen Riegel vorzuschieben, und weil ihn die grauen Härlein da
und dorten auf seinem Haupte an eine Pflegerin im Alter erinnerten,
daß er eine noch in frischen Jahren blühende Witwe, die in
seinem Hause wohnte, zur Ehegenossin erkor, dadurch aber in der
Wahrheit nur desto größerem und unleidlicherm Übel Tor
und Tür öffnete. Frau Mathildis war gar hoffärtigen und
herrischen Wesens und heftigen, unverträglichen Gemütes,
wußte sich bald des Hausregiments dergestalt zu
bemächtigen, daß er nichts ohne ihren Willen tun oder
lassen durfte, hielt ihn in scharfer Zucht und schmaler Kost, setzte
ihm auch unterweilen mit Eifersucht und argwöhnischen Gedanken


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