Der philosophierende Vagabund - Ernst Clefeld - Страница 1 из 342


auf ein inhaltreiches Dasein zurück. Ich will mir selbst Objekt
sein. Mich selbst, mein innerstes Wesen will ich herausheben, soweit
es eben ein Mensch, der wahr sein will, vermag. Es ist nicht meine
Absicht, durch Geist und Witz zu blenden. Sang- und klanglos war mein
Leben, einfach und schlicht soll auch dessen Schilderung sein. Ich
will mich nur als Versuchskaninchen betrachten. Von diesem Standpunkte
aus hat auch das unbedeutendste Individuum das Recht, sich in den
Vordergrund zu stellen. Aus Rücksicht auf meine Umgebung war
ich in der Regel gezwungen, Personen- und Ortsnamen zu verschweigen
oder zu fingierten Namen meine Zuflucht zu nehmen. Um nicht langweilig
zu werden, hielt ich in seltenen Fällen eine Konzentration
unwesentlicher Tatsachen und eine damit verknüpfte harmlose
Ausschmückung für angebracht. Ernst Clefeld.
Einleitung. Unser ganzes Leben ist auf die konventionelle
Lüge gestellt. Wenn ein Mensch seinen Mitmenschen immer und unter
allen Umständen die Wahrheit sagen wollte, würde er als Narr
und Dummkopf sich um jede Existenz-Möglichkeit bringen. Die
Wahrheit ist ein Ideal, von dem alle Menschen schwärmen, nach dem
alle Menschen zu streben vorgeben, und dessen Verwirklichung keiner
verträgt. Die Wahrheitsucher sind immer irgendwie mit Don Quijote
verwandt. Und so wie man die Wahrheit im Umgang mit seinen
Mitmenschen nicht verträgt, so verträgt man sie auch nicht


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