Der Deutsche Lausbub in Amerika - Band 2 - Erwin Carlé - Страница 1 из 287


kleinen Neffen, der sich bestimmt schon den Ehrentitel eines Lausbuben
erobert hätte, verlebte er sein junges Leben in süddeutschen
Landen. Da er das aber nicht tut und ein Hamburger Jung' ist, so
dünkt ihm der Begriff Lausbub fremd. Bald großartig und
erstrebenswert, bald verächtlich und gemein. Es ist mir passiert,
daß ein Haufen von Schulkindern mich achtungsvoll anstarrte,
während mein Herr Neffe ihnen erklärte, das sei ein famoser
Lausbubenonkel. Ich mußte es aber auch erleben, daß dieser
Neffe mir bei passendem Anlaß feindselig entgegendonnerte:
»Lausbub aus Amerika!« Nicht anders ist es mir ergangen
mit großen Leuten. Da meinten die einen, dieser Lausbub sei
etwas gar Lustiges. Die andern aber schüttelten die Köpfe:
Wie kann man so geschmacklos sein und sich selber einen Lausbuben
nennen! So sei mir gestattet, ein Wörtchen dreinzureden.
Wir alle kleben an der heimatlichen Scholle, seien wir nun
Weltenwanderer oder niemals hinausgekommen über den Bannkreis der
Vaterstadt; an jener Scholle, auf der wir als Kinder spielten. Und mir
klingt es aus meiner Münchner Jugendzeit herüber:
»Du ganz verflixter Lausbub!« »A solchener
Lausbub!!« Wie lustig das tönt, weiß kein Mensch
außer mir. So lustig kann es keinem sein, so viele auch gelacht
haben mögen über das Wörtchen mit den verschiedenen
Gesichtern. »Oh du herzig's Lausbüble.« kost die
süddeutsche Mutter. »Lausbub!« sagt der Vater, und


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