Erzählungen - François René Chateaubriand - Страница 1 из 257


Jahrhunderts wohnte zu St. Malo in der Bretagne Herr Leprêtre,
ein finsterer, mürrischer Charakter, der weder mit dem damaligen
Zeitgeist, noch mit seiner Familie auf gutem Fuße stand und sich
ersterem zum Trotz in die Erinnerung an die gute alte Zeit
feudalistischer Vorrechte und Anmaßungen versenkte. Es mag ihm
manchmal recht weh gethan haben, daß er sich versagen
mußte, weitere Kreise mit all den Chikanen zu bedenken, die er
seiner Familie und seiner frommen, gemüthreichen Frau in desto
vollerem Maße zu theil werden ließ. Auch nachdem er
infolge Besitzübernahme eines der ausgestorbenen Familie
Chateaubriand früher zugehörigen Landguts sich den Namen
dieser Familie zugelegt, ward die Laune des Herrn nicht besser; Furcht
und Zittern herrschte unter seiner häuslichen Umgebung, und der
nachgeborne Sohn, François René, der später als
Dichter, Historiker, Philosoph, Publicist, Staatsmann, Minister,
Diplomat, Pair und Parteihaupt so berühmt gewordene Vicomte de
Chateaubriand, erblickte das Licht dieser Welt 1768 unter sehr
ungünstigen Auspiecien. Selbst finster, verschlossen und
ungesellig, bemerkte der heranwachsende Knabe es kaum, wie wenig ihm
von dem größten Glück der Jugend, der durch eine
heitere Umgebung mit Vorbedacht genährten kindlichen Heiterkeit,
zugemessen wurde. In die Träume seiner frühesten Kindheit
tönte das Geräusch der Wogen des Atlantischen Oceans, mit
denen tagsüber der Herr Papa um die Wette brummte, und als die


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