Der unglückliche Canonikus - Giacomo Casanova - Страница 1 из 46


Madame Saxe war ganz dazu geschaffen, die Huldigungen eines
verliebten Mannes zu gewinnen, und hätte sie nicht einen
eifersüchtigen Offizier gehabt, der sie nie aus den Augen verlor
und der ganz so aussah, als wollte er jeden durchbohren, der es wagen
würde, ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, indem er ihr zu
gefallen suchte, so würde es ihr wahrscheinlich nicht an Anbetern
gefehlt haben. Dieser Offizier liebte das Piquetspiel, allein Madame
Saxe mußte beständig dabei an seiner Seite sitzen, und sie
schien dies mit großem Vergnügen zu tun. Im Laufe des
Nachmittags machten wir eine Partie und wir setzten dies fünf
oder sechs Tage fort. Dann wurde ich der Sache überdrüssig,
weil er aufstand, sobald er zehn oder zwölf Louisdor gewonnen
hatte. Dieser Offizier hieß d'Entragues, war ein schöner
Mann, obgleich sehr mager, und es fehlte ihm weder an Geist noch an
dem Ton der guten Gesellschaft. Wir hatten seit zwei Tagen nicht
gespielt, als er mich nach dem Essen fragte, ob ich wünschte,
daß er mir Revanche geben sollte. »Daran liegt mir
nichts,« erwiderte ich ihm, »denn wir spielen nicht auf
gleiche Art.« »Ich spiele zu meinem Vergnügen,
weil das Spiel mich unterhält, Sie aber spielen nur, um zu
gewinnen.« »Wie das? Sie beleidigen mich.«
»Das ist nicht meine Absicht; allein so oft wir gespielt haben,
hörten Sie schon nach einer Stunde auf.« »Sie


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