Erinnerungen aus galanter Zeit - Giacomo Casanova - Страница 1 из 563


  Ich habe diese Memoiren nicht für den Teil der
Jugend geschrieben, welcher in Unwissenheit erhalten werden muß,
um ihn vor dem Falle zu bewahren, sondern für diejenigen, welche
viel gelebt haben und dadurch unempfindlich geworden sind, für
diejenigen, welche sich viel im Feuer aufgehalten haben und dadurch
Salamander geworden sind. Da die wahren Tugenden nur Gewohnheiten
sind, so wage ich zu sagen, daß die wahren Tugendhaften
diejenigen sind, welche die Tugend ohne die geringste Mühe
üben. Diese Leute haben keine Idee von Intoleranz, und für
sie habe ich geschrieben. Giacomo Casanova.  
31. bis 35. Tausend Illustriert von F. v. Bayros
Eingeleitet von Hanns Heinz Ewers Erschienen bei Wilhelm
Borngräber
Verleger zu Berlin Die Bearbeitung vorliegender Casanova-Ausgabe
besorgte Christian Kraus, Bonn Alle Rechte, auch das der
Übersetzung, vom Verleger gewahrt
Zum Geleit: Drei Mythen gebar das
christkatholische Europa, in drei grundverschiedenen Formen schwebte
ihm das Bild des Mannes vor: in dem germanischen Faust, dem
romanischen Don Juan und dem jüdischen Ahasver. Und
es ist seltsam genug, daß der Mann, der der letzte große
Lebenskünstler der alten Zeit war, alle drei Typen in sich
vereinte: Casanova. Rastlos war er, wie der ewige Jude.


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