Eingekerkerte und Ausbrecher - Heinrich Conrad - Страница 1 из 303


Freiherr Friedrich von der Trenck
Fürst Peter Krapotkin
Graf von Lavalette und seine Frau
Masers de Latude Vorwort Wohl jeder
von uns ist einmal neben einem Schlossvogt gestanden, der bei
Kerzenlicht mit langweilig leiernder Stimme die einstige Verwendung
eines düsteren, kalten, feuchten Mauerloches unter der Erde
erklärte. »Und hier meine Herrschaften ist der Kerker, in
dem unter anderen der Graf Kuno über zwanzig Jahre lang ohne
Licht und Streu, nur bei Wasser und Brot, mit zweiundsiebzig Pfund
Ketten beladen, schmachten musste. Er war an den Mauerring hier
angeschmiedet, und Sie sehen noch, wo die Ketten den Stein ausgewetzt
haben.« Wir entsinnen uns noch, wie dann ein Schauer über
unsere Haut lief und unsere Phantasie sich bemühte, sich die
höllische Wirklichkeit einer solchen Kerkerhaft vorzustellen.
Das Leben der lebendig Begrabenen, der Eingekerkerten, hat von jeher
die Einbildungskraft entzündet, und Bewunderung für ihre
standhafte Ausdauer, gemischt mit tiefstem Mitleid und Grausen,
ausgelöst. Noch innigeren Anteil aber nehmen wir, noch höher
steigt unsere Bewunderung, wenn wir von kühnen, oft in endlos
währender Kleinarbeit vorbereiteten Ausbrüchen aus den
festesten Kerkern hören. Selbst der gemeinste Raubmörder
gewinnt ja ein wenig unsere Sympathie, wenn wir in der Zeitung lesen,
wie er, mit kühnem Wagemut und kalt überlegendem Scharfsinn,


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