Kriegsaufsätze - Houston Stewart Chamberlain - Страница 1 из 117


Krieger, die zücken nicht bald, trotzen nicht, haben nicht Lust
zu schlagen; aber wenn man sie zwingt, daß sie müssen, so
hüte dich vor ihnen, so scherzen sie nicht. (Luther)
Für stilistisch kunstvolle Übungen hat in diesen heilig
ernsten Tagen kein Mensch Sinn; neben der Hingabe des Lebens fürs
Vaterland klingt selbst demosthenische Beredsamkeit hohl. Nur
Tatsachen besitzen heute für uns Interesse.
»Tatsachen«, schreibt Carlyle, »übertreffen
alles Denken; neben ihnen sind Worte ein bloßes Stammeln und
Stottern.« Doch, wie kommen wir zu den Tatsachen? Die
materiellen, ja, die drängen sich uns auf; wie aber fangen wir es
an, die intellektuellen und moralischen Tatsachen zu erfassen? Die
ungeheure Tatsache des europäischen Krieges drängt sich uns
Tag und Nacht auf; welche Tatsache aber liegt diesem Kriege zugrunde?
Wer hat ihn gewollt? Die Feinde Deutschlands behaupten, Deutschland
sei der Störenfried, es werde in Europa keine dauernde Ruhe
geben, solange Deutschland nicht vernichtet sei: woher stammt dieser
Wahngedanke? Wie ist es möglich, die offenkundige Wahrheit
– die »Tatsache« – den Blicken von Millionen
zu verbergen? Wer Tatsache sagt, setzt Wahrheit voraus. Eine erlogene
»Tatsache« ist ein Nichts, das »ens
imaginarium« Kant's, »leere Anschauung ohne
Gegenstand«; gerade dieses Nichts aber vermag bisweilen
dämonische Gewalt über die Vorstellungen der Menschen zu


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