Tobias Guarnerius - Ignaz Franz Castelli - Страница 1 из 16


phantastische Künstlernovelle aus den Contes bruns An einem
nebligen Winterabende ging mein Urgroßvater, welcher sich
Geschäfte halber zu Bremen befand, in einem abgelegenen
Gäßchen hinter der Kirche spazieren. Was er dort suchte,
werdet Ihr begreifen, wenn ich Euch sage, daß er damals zwanzig
Jahre alt war, und daß es wenige Städte in Deutschland
gibt, welche so hübsche Mädchen aufzuweisen haben, wie
Bremen. Seit zwanzig Minuten hatte die Turmuhr schon die Stunde des
Stelldichein geschlagen, ohne daß diejenige, welche sie bestimmt
hatte, erschienen wäre, und mein Urgroßvater wartete.
Während er so in der Straße hin und wider ging, bemerkte er
an der Ecke derselben einen Laden, worin die an den beiden
Seitenbalken schlecht aufgemalten Geigen das Handwerk anzeigten,
welches darin getrieben oder vielmehr nicht getrieben wurde; denn wenn
im Laden selbst an der Wand nicht ein altes Violoncello gehangen, in
der Ecke ein Contrabaß ohne Saiten gestanden und einige
Geigenbogen herumgelegen wären, so würde die Boutique eher
einer Wachstube als einem Instrumentenmagazin geglichen haben. Eine
schlechte Talgkerze auf einem ungeheuern hölzernen Leuchter
verbreitete nur ein spärliches Licht und beleuchtete nur matt den
Mann, der darin arbeitete. Er schien überhaupt nicht sehr
fleißig bei seiner Arbeit zu sein; denn fast alle drei bis vier
Minuten stand er auf, legte die Arbeit nieder und ging mit
großen Schritten, starren Blicken und leidenschaftlichen


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