Der Liebesteufel - Jacques Cazotte - Страница 1 из 108


Hauptmann in der Garde des Königs von Neapel. Wir lebten
miteinander als gute Kameraden und wie junge Leute, das heißt
mit Weibern und vom Spiel, solange das Geld reichte, und saßen
philosophierend in unsern Quartieren, wenn wir nichts Besseres zu tun
wußten. Eines Abends, als wir uns bei einer Flasche
Cyperwein und einer Schüssel gerösteten Maronen über
mancherlei Dinge müde geschwätzt hatten, kam das
Gespräch auf die Kabbala und die Kabbalisten. Einer
behauptete, sie sei eine wohlgegründete Wissenschaft; vier der
Jüngsten wandten dagegen ein, sie sei eine Anhäufung von
Albernheiten, eine Quelle von Spitzbübereien, und nur dazu da,
leichtgläubige Leute zu betören und Kinder zu
vergnügen. Der älteste von uns, ein geborener
Flamländer, rauchte seine Pfeife und sprach kein Wort. Seine
Gleichgültigkeit und sein zerstreutes Wesen fielen mir mitten in
dem Gelärm, das uns betäubte, auf und hielten mich ab, an
einer Unterhaltung teilzunehmen, in der zu wenig Sinn war, um mich zu
fesseln. Wir befanden uns im Zimmer des Rauchers, die Nacht
rückte vor, man ging auseinander; wir beide blieben allein
zurück, mein älterer Kamerad und ich. Er rauchte
phlegmatisch weiter, ich blieb stumm, die Ellbogen auf den Tisch
gestemmt, sitzen. Schließlich brach mein Gegenüber das
Stillschweigen. ›Junger Mann,‹ sagte er, ›Sie
haben da viel Geschrei mit angehört. Warum haben Sie an dem
Streite nicht teilgenommen?‹ ›Ich schweige lieber


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