Der Bravo - James Fenimore Cooper - Страница 1 из 493


verschwunden, und schon begann der Mond über die niedere
Fläche des Lido aufzusteigen. Gleich einem Strome, der sich durch
einen engen Kanal in ein geräumiges, schäumendes Becken
ergießt, zwängten sich aus den schmalen Gassen Venedigs
Hunderte von Fußgängern hervor nach dem St. Markusplatze.
Stolze Cavalieri und gravitätische Cittadini , dalmatische
Krieger und venezianische Matrosen, ehrsame Bürgerfrauen und
Damen von feineren Sitten, Juwelenhändler vom Rialto und
Kaufleute aus der Levante, Jude, Türke, Christ, Reisender,
Abenteurer, Podesta , Kammerdiener, Advokat und Gondoliere –
alle zogen nach dem einen gemeinschaftlichen Mittelpunkte der
Erholung. Der geschäftige und der nachlässige Blick, der
gemessene Schritt und das prüfende Auge, Scherz und
Gelächter, der Cantatrice Lied und die Melodie der Flöte,
die drolligen Gebärden eines Lustigmachers und das tragische
Zürnen des Improvisators, das gezwungene melancholische
Lächeln des Harfners und das Geschrei der Wasserverkäufer,
Mönchskapuzen, Federbüsche – dies
Durcheinandergesumme, dieses mannigfache Hin- und Her-Gedränge,
verbunden mit den unbeweglicheren Gegenständen des Ortes, machte
den Auftritt zu dem eigentümlichsten, den man finden konnte.
Auf der Grenzlinie liegend, die das westliche Europa von dem
östlichen scheidet, und mit dem letzteren in ununterbrochenem
Verkehr, besaß Venedig eine größere Mischung der
Charaktere und der Kostüme als irgendeiner der zahlreichen


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