Jugend - Joseph Conrad - Страница 1 из 57


nirgends sonst als in England abspielen können, wo die
Männer und die See einander gegenseitig durchdringen, sozusagen
– indem die See in das Leben der meisten Männer
hineinspielt und jeder Mann ein wenig oder alles von der See
weiß, vom Vergnügen, vom Reisen oder vom Broterwerb her.
Wir saßen rund um einen Mahagonitisch, der die Flasche, die
Spitzgläser und unsere Gesichter widerspiegelte, die wir auf die
Ellbogen gestützt hielten. Wir waren zu fünft: der Direktor
einer Handelsgesellschaft, ein Buchhalter, ein Rechtsanwalt, Marlow
und ich. Der Direktor war an der Küste aufgewachsen, der
Buchhalter hatte vier Jahre zur See gedient, der Rechtsanwalt –
ein Tory vom reinsten Wasser, ein Anhänger der Hochkirche, der
feinste alte Knabe, der sich denken läßt, dazu ein
Ehrenmann durch und durch – der Rechtsanwalt also war Erster
Offizier bei der P.&O.-Linie gewesen, in den guten alten Tagen,
als noch die Postdampfer auf mindestens zwei Masten mit Rahen getakelt
waren und das Chinesische Meer vor einem kräftigen Monsun unter
vollen Lee-Segeln herunterzulaufen pflegten. Wir alle hatten unsere
Laufbahn in der Handelsmarine begonnen. Die See hielt uns zusammen wie
ein starkes Band, und hinzu kam noch ein seemännisches
Gemeinschaftsgefühl, wie es keine noch so hohe Begeisterung
für Wettsegeln, Kreuzen oder ähnlichen Sport erzeugen kann;
denn diese umfaßt immer nur ein Beiwerk des Lebens, jenes aber


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