Der gestohlene Kaktus und andere Geschichten - Karel Capek - Страница 1 из 216


Geschichten   Verlag Dr. Rolf Passer Leipzig-Wien
Autorisierte Übersetzung aus dem Tschechischen Copyright 1937
by Fr. Borový,
deutsche Übersetzung Der gestohlene
Kaktus »Hören Sie also an«, begann Herr Kubat,
»was mir im vergangenen Sommer passiert ist. Ich war in
einer gewöhnlichen Sommerfrische; es war dort nicht anders als in
anderen Sommerfrischen: kein Wasser, kein Wald, keine Fische, nichts.
Nur die Volkspartei war dort stark vertreten. Dann gibt es dort einen
Verschönerungsverein mit einem sehr rührigen Obmann,
Perlmutterindustrie und ein Postamt mit einer alten, langnasigen
Postmeisterin. Also ein Ort wie andere Orte auch. Und als ich mich nun
so gegen zwei Wochen lang den wohltuenden und
gesundheitsfördernden Wirkungen einer durch nichts unterbrochenen
Langeweile hingegeben hatte, bekam ich irgendwie das Gefühl,
daß mich die Klatschbasen des Ortes und das, was man die
öffentliche Meinung nennt, aufs Korn genommen hatten. Und da
meine Briefe so auffallend sorgfältig zugeklebt waren, wenn ich
sie erhielt, daß der Umschlag auf der Rückseite von
frischem Gummi arabicum nur so glänzte, sagte ich mir:
›Aha, deine Post wird geöffnet; der Teufel hole diese
Hexe von einer Postmeisterin!‹ Sie wissen ja – die Leute
von der Post können angeblich jeden Briefumschlag öffnen. Na
wart nur, sagte ich mir, setzte mich hin und schrieb mit meiner
schönsten Handschrift: ›Du Gespenst von einer


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