Lausdirndlgeschichten - Lena Christ - Страница 1 из 72


besondere Art gehabt. Nicht bloß im Rasieren und
Zahnreißen, sondern auch im Leutkurieren. Für das
höllisch Feuer hat er helfen können und auch für die
Gicht; das Herzklopfen hat er vertrieben und die Hitz im Kopf, und was
sonst einen gezwickt oder gedrückt hat. Und für allen
Wehdam und Gebresten hat er nur ein Mittel gehabt. Das war das
Egelsetzen. Dazu braucht man den Blutegel. Wenn also ein Bauer
zu ihm gekommen ist und hat gesagt: »Gschwandler, geh, helf ma
für mei reißats Geblüat!«, da hat der
Gschwandler gesagt: »Dös wer'n ma glei habn.« Und
hat eins von den fünf Gläsern vom Wandbrett herunter und hat
es aufgebunden. 8 Dann hat er gesagt: »Wo reißt's di
denn am ürgsten?« »Ja mei, überalln!«
»Soo! Wer'n ma's glei habn. Ziag dei Joppn ab und dei
Hemad!« Dann hat er ihn auf den großen Badersessel
niederdruckt und hat ins Glas gegriffen und hat dem Kranken ein
etlichs Paar Egel an den Buckel gehängt und ein paar an den Arm.
Und dann war der Bauer wieder gesund. Der Gschwandlerfranzl ist
mein Freund gewesen; drum bin ich oft dabei gewesen in der
Baderstuben. Da hab ich alles gesehen: wie man die Blutegel
überall anlegt, sogar ins Maul, wann einem die Zähnt
schwärig sind. Unser Kalb, das Mickerl, hat drei Tag nimmer
gefressen gehabt. Da hat der Großvater gesagt: »Jatz
derf i schaugn, daß ma's der Huaberwirt abkaaft, sinst werd's ma


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