Madam Bäuerin - Lena Christ - Страница 1 из 148


Geschichte hebt an um die Zeit, da unser lieber Herr bereits seine
Himmelfahrt getan, den Heiligen Geist gesendet und das Heu auf den
Wiesen gut und dürr genug gemacht hat zum Heimführen. Um
diese Zeit haben die Weibsleute draußen auf dem Lande
gemeiniglich ihre großen Wasch- und Putztage; denn nach altem
Brauch und Herkommen räumt man noch vor Beginn der großen
Ernte mit dem ganzen rußigen Nachlaß des Winters
gründlich auf. Da weißelt und tüncht man Stuben und
Kammern, Kuchel und Speis, Hausflöz und Stall, verschönt den
ganzen Bauernhof und putzt ihn säuberlich heraus, auf daß
der Segen Gottes um so lieber Einkehr darin halten möcht. Und
die Vürhänge und Polsterziechen, das Linnen und Bettzeug
wird gewaschen und gebleicht, damit es wieder frisch und sauber ist
und seine Schuldigkeit tut so lange, bis die Bäuerin das
Kirchweihmehl in die Truhe siebt und das Schmalz ausgängt und
siedet für Krapfen und Küchl. Beim Schiermoser zu
Berganger aber haben sie heut noch einen besonderen Grund zu solcher
Stöberei und Arbeit: ihre langjährige Sommerfrischlerin, die
verwitwete Frau Rechtsrätin Scheuflein, hat für die
nächsten Tage ihre Ankunft gemeldet. Nun sind ja im
allgemeinen die Stadtleut keine absonderlich willkommenen Gäste
auf dem Land. Aber so im besonderen macht doch manche Bäuerin
eine Ausnahme und läßt ein paar von den Städtischen in
ihren üppigen Flaumbetten schlafen. Freilich nur gegen gutes


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