Heliogabal - Louis Couperus - Страница 1 из 426


flimmerten über Emesa die kristallenen Sterne am weiten klaren,
wolkenlosen Himmel. Zwischen den schimmerndsten war der Himmelsgrund
übersät mit feinerem Lichtgesprenkel, während in buntem
Wechsel die Gestirne, jäh aufflammend und wieder verblassend, in
unermeßlichem Überfluß blitzten, gleich als
hätten sie die Götter, vor Sternenwonne trunken, in
taumelnder Lichttrunkenheit ausgestreut. Der breite Strom der
Milchstraße blinkte wie ein Schleier, wie eine Glorie, wie eine
Siegesbahn für den obersten Gott, von Lichtstaub
überfunkelt, mit Sternen bestreut, so dicht, daß seine
Füße, darüber hinschreitend, wohl versinken konnten in
dem goldenen Sandmeer. Die wundersame Spätsommernacht
ließ die Umrisse der Tempelgebäude erkennen, die da
standen, breit, fern und hoch, mit einem seltsamen
terrassenförmigen Turm, der sich verjüngte und im
leuchtenden Nichts verschwamm. Im dichten Blättergeheimnis
windstiller Gärten breiteten sich in dem weiten Park die Tempel,
jetzt blank wie leuchtender Marmor, dann wieder stumpf grau wie
Granit. Säulen reckten sich schlank und endlich einte sich alles
dem Schatten riesiger Agaven, deren Blätterklingen im Mondlicht
glänzten oder sich im Dunkel badeten und untertauchten in der
Nacht. Orangenduft lag über allem, gleich Weihrauch schwer und
atemraubend, und syrische Rosen hauchten ihr Lustverlangen
aus. Alles still, nur der zwei-, dreimal sich wiederholende Schrei


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