Herakles - Louis Couperus - Страница 1 из 402


schweren Eichenstämme sich gleich einer Schar finsterer Riesen
zum blauen, in der Sonne leuchtenden Meer hinabzogen, dröhnte
sein müder, suchender Schritt; sein Fuß zertrat das
Gesträuch. Und die wilden Tiere flohen davon, und die Vögel
flatterten höher empor, wie sein Rufen den ganzen Wald mit dem
Schall seines verzweiflungsvollen Schreies erfüllte:
»Hylas!« In der Ferne, wo Felsen nur undeutlich
verschwommen sichtbar waren, spottete das Echo. Er hörte es
spotten, den Namen leise wiederholen, den Namen mit dem melodischen
Klang, einem Klang, dem seine Verzweiflung den Ausdruck brennenden
Schmerzes verlieh: »Wehe! Wehe! O Hylas!« Er
war auf einen vom Blitz gefällten Eichenstamm gesunken, und er
glich selber einem Baum, den des Schicksals Blitze getroffen hatten.
Wo die schaumweiße Quelle dem Felsen entsprang und sich dann als
ein breiter Bach an den zarten Birken entlang den Weg bahnte, auf dem
sie sich endlich im dichten Walde verlor, da erscholl ein Lachen,
hellperlend wie Vogelsang – und verstummte sogleich wieder.
Er hob sein umdüstertes Haupt empor. Er hatte es vernommen: das
waren die Nymphen der Quelle, die sich vor ihm verborgen hielten.
»Hylas!« rief er noch einmal, »bist du da, woher
ich das Lachen vernehme? Wo die Nymphen die Wasser zerteilen? So komm
doch endlich; suche ich dich doch schon den ganzen Tag und die
ganze Nacht. Komm hervor, fürchte nicht meinen Groll, verstecke


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