Reden gegen Verres - Marcus Tullius Cicero - Страница 1 из 835


Lateinischen mit Einleitung und Erläuterung von
Friedrich Spiro. Georges Marie Baltus
gewidmet. Einleitung Die Reden, welche
Marcus Tullius Cicero im Jahre 70 vor unserer Zeitrechnung in Rom
gegen Gaius Verres hielt, entstammen seiner mittleren Periode.
Er war noch nicht der gefeierte, über alle Rivalen weit erhabene
Klassiker des Stiles und der Form, als welchen ihn späterhin
– zum Teil auf Grund dieser Reden – alle bewunderten, aber
er war auch seit langem nicht mehr der Anfänger, der sich seine
Stellung im Staat und auf dem Forum erst erkämpfen mußte.
Er war damals 36 Jahre alt; die Advokatenpraxis ging glatt, die
jugendliche Abhängigkeit von den rhetorischen Mustern der Mode
war bereits glücklich überwunden, und politisch hatte der
arbeitsame Süditaliker bereits ein »kurulisches« Amt
bekleidet, d. h. die Mitgliedschaft im römischen Senat
errungen, so daß er sich eben mit Erfolg um ein noch
höheres, wertvolleres Amt bewerben durfte. Für ihn, wie
für jeden echten römischen Vollbürger, gab es kein
Stehenbleiben, Stillstand wäre Rückschritt gewesen; um aber
vorwärts zu kommen, genügte es damals nicht, den Ochsenweg
zu beschreiten und im gleichmäßigen Tempo ruhig zuschauend
den Ereignissen zu folgen, sondern es hieß in die Ereignisse
eingreifen, sich lancieren, wo man kann, frisch zupacken, jede
Gelegenheit beim Schopfe fassen. Eine solche Gelegenheit bot Cicero


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