Die Stimme des Blutes - Michael Georg Conrad - Страница 1 из 8


Der eine stieß den andern an: »Na, das war eine Leistung,
mein Lieber! An diese Fahnenweihe will ich meiner Lebtag'
denken.« Hastig entfernten sich beide Kameraden und
stolperten die dunkle Treppe hinab. Die alte, wurmstichige
Bettlade krachte in allen Fugen, als Balzers Leib quer über den
hochaufgefüllten Strohsack hinschlug. Zuerst lag er auf dem
Bauche, da aber der Schädel auf eine harte Kante traf, so brachte
der plötzliche heftige Schmerz den Betrunkenen soweit zur
Besinnung, daß er eine drehende Bewegung versuchte, um auf den
Rücken zu kommen. Nein, auch das war noch nicht die rechte
Lage; es ging nicht mit dem Atmen. Endlich, nach allerlei mechanischen
Reckungen, Drehungen und Wälzungen war es ihm gelungen, den
schweren Körper so zu betten, daß Kopf und Brust hoch und
frei lagerten, und wenigstens das linke Bein und der rechte Arm
ausgestreckt Raum fanden, während die beiden andern
Gliedmaßen über die schmale Bettlade starr hinabhingen, als
wären sie nur ganz lose am Leibe befestigt. Nun lag er im
festen Schlafe, noch angetan mit dem Feststaate des Veteranen, der
Held, dem der gewohnheitsmäßige starke Biergenuß im
Bunde mit der heißen Augustsonne heute bei der
Vereinsfahnenweihe so übel mitgespielt, daß er selbst bei
dieser außerordentlich feierlichen Gelegenheit sich nicht einmal
am hellen Tage des Rausches erwehren konnte, vor dem er früher
nur nach den öden Anstrengungen des verbummelten Werktages und in


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