Die goldene Schmiede - Michael Georg Conrad - Страница 1 из 57


war die einzige Schmiede in der Sendlingergasse zu jener Zeit, der
goldenen Zeit der Spitzeder'schen Bankherrschaft. Die Werkstatt befand
sich im Eckhaus der Sendlinger- und Paradiesgasse, ein paar hundert
Schritte rechts vom Sendlingertor herein. Der Name Paradiesgasse war
jedoch nicht der offizielle, sondern stammte aus dem Volksmund, der
ein ironisches Vergnügen daran fand, diesen engen, schmutzigen,
von übelberufenen Frauen und Mädchen häufig als
Stelldichein benutzten, in das Gäßchenlabyrinth des alten
Heumarktes verlaufenden Winkel mit dieser hellen, reinlichen, an
selige Phantasien erinnernden Bezeichnung aufzuputzen. Gegen die
Paradiesgasse hatte die Werkstatt einen erhöhten, mit einem
besonderen, fast platten Dach versehenen Vorraum; hier standen
Räder, Karren, Kutschen und andere Gegenstände, alte und
neue, in malerischer Unordnung über-, unter- und nebeneinander,
bis die Reihe an jedes einzelne Stück kam, von dem emsigen
Schmied und seinen Gesellen in Arbeit genommen zu werden. Da waren
über neue Räder eiserne Reifen zu ziehen, dort war eine
Deichsel mit derben Ringen zu versehen, hier der lahme Vorderteil
einer Landkutsche mit tüchtigen Klammern und Schrauben zu
kurieren, dort eine gebrochene Achse zusammenzuschweißen.
Kurz, es fehlte nie an Arbeit. Und ließen die Aufträge der
gewöhnlichen, meist kleinbürgerlichen und ländlichen
Kundschaft einmal ein wenig nach, so nahm Meister Florian mit seinen


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