Die gute Haut - Michael Georg Conrad - Страница 1 из 32


hatte ihn also seine Ahnung nicht betrogen, den braven Xaver
Bernhuber. Im Gegenteil. Die Wirklichkeit übertraf seine
schlimmsten Befürchtungen. So miserabel hat er sich's aus der
Ferne selbst in den grauesten Stunden des Londoner Nebels nicht
auszumalen vermocht. Und so sehr er darunter litt, weil er sich
nicht Rats wußte, es dünkte ihm unmöglich, die
Schrecken seiner Heimkehr ins Elternhaus durch einen neuen Auszug in
die Fremde aus seinem Leben zu verbannen. Darüber war nicht mehr
wegzukommen. Das saß einmal fest in seinen Nerven. Zudem,
von allem übrigen abgesehen, sein Pate und ehemaliger Lehrherr
war auch nicht der Mann, mit sich spaßen zu lassen, wenn er sich
etwas in den Kopf gesetzt. Die harte Nuß mußte auf
alle Fälle geknackt werden. Da gab's kein Davonlaufen.
Also so weit war er. Der Punkt stand fest. Hier lag sein Schicksal.
Die Heimat forderte ein schweres Opfer von ihm. Fünf Jahre
war Xaver in Frankreich, vier Jahre in England in verschiedenen
Geschäften als Arbeiter tätig gewesen. Als tüchtig
gelernter Schuhmacher und anstelliger Kopf war es ihm ein leichtes, in
allen möglichen Zweigen der Lederverarbeitung sich
zurechtzufinden und sich als gewissenhafter Handwerker nützlich
zu machen. Auch hatte er, sozusagen als Erbteil aus der Münchner
Luft, Geschmack und künstlerischen Sinn überall zu erweisen
vermocht, wo die Umstände ihm höhere, als die


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