Münchner Theater - Michael Georg Conrad - Страница 1 из 2


Die Kunststadt an der Isar hat neben bierologischen, theologischen und
anderen Vorzügen auch den, das undankbarste und zugleich
anspruchsvollste Theaterpublikum zu besitzen. So ein echter
theaterlustiger Bieromane stellt an die Schaubühne die
nämliche Anforderung, die er an seine Köchin zu stellen
gewohnt ist von uralters her: um möglichst wenig Geld die
möglichst große Portion! Nur ist er gegen die Köchin
insofern rücksichtsvoll, als er nicht auf Abwechslung in der
Speisekarte dringt: Kalbsbraten mit Kartoffelsalat, Kalbshaxe,
»Geselchtes« mit Sauerkraut – damit füttert er
sich ein gemeines Jahr lang ganz gemütlich durch, während er
an die Schaubühne die Forderung stellt, ihm womöglich jeden
Abend ein neues prächtiges Stück zu servieren und zwar zu
einem Preis, für den ein gebildeter Kulturmensch in einem
anständigen Restaurant kaum ein Abendessen bekommt. Und dabei
soll die Bühnenkunst florieren und das Theater Geschäfte
machen! Dazu kommt noch, daß seit dem Tode des vielbetrauerten,
unvergeßlichen Königs von den dirigierenden Finanzgenies
die Losung ausgegeben wird: Sparen, sparen, sparen! Nun stehen wir in
der Bieromanischen Kunststadt vor dem wunderschönen Problem:
Sparkunst und Theaterkunst aufs innigste zu vereinen, d.h. die
Quadratur des Zirkels zu verwirklichen. Wir werden uns nächstens
über diesen interessanten Fall mit aller Offenheit und
Ausführlichkeit äußern. Heute wollen wir nur den


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