Schicksal - Michael Georg Conrad - Страница 1 из 42


er angelangt. Er nahm den breitrandigen grauen Filzhut ab und
fächelte sich damit. »Die Nachmittags-Kaffeestunde im
Hofgarten ist vorüber, wie es scheint...« Unter den
Arkaden war es in der Tat stille geworden. Nur die müden
Schenkmädchen machten sich noch dort zu schaffen. Es waren meist
aufgeschossene, bleichsüchtige, flachshaarige Dinger, die in
ihren enganliegenden Baumwollkleidchen mit den häßlichen
schwarzen Wachstuchschürzen wie in einem abgegriffenen Futteral
aus dunklem Pappendeckel steckten. Eine und die andere hatte in
der Gegend, wo bei ausgewachsenen, gesunden Frauen der verlockend
schwellende Busen thront, auf einer kümmerlich ausgestopften
Wölbung ein verwelktes Blumensträußchen befestigt. Das
machte einen bunten Fleck, setzte ein melancholisches rotes oder
gelbes Licht mit einem grünlichen Rand auf die wollene
Einöde. Kirchhofsblümchen über einem Grab, das die
lebendig eingesargten Träume von Glück und Liebe und Lust
einer zum Elend geborenen Mädchenseele deckt. Die
Mädchen trugen das Kaffeegeschirr ab und sammelten die
umherliegenden Zeitungen. Dann stellten sie die eisernen,
weißangestrichenen Stühle und Tischchen gruppenweise
gegeneinander, damit das Wasser von der geneigten Platte ablaufen
kann, falls die Nacht Regen brächte. Diese in frostigem
Weiß schimmernden Möbelgruppen, die über die Arkaden
hinaus auf den grauen Kies des Gartens unter die notdürftig


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