Zur Erinnerung an das Ludwigsfest in München - Michael Georg Conrad - Страница 1 из 23


München (1888) König Ludwig I. hat am 25. August
1786 zu Straßburg im Elsaß das Licht der Welt erblickt,
der »teutscheste« Fürst auf verwelschtem Boden. Seine
Jünglingszeit sah Deutschlands tiefste Erniedrigung, – aber
im Geiste des künftigen Bayernkönigs lebte stolz und hehr
Germanias herrlichstes Bild. Nie hat unter königlichem Purpur ein
feurigeres, heldenhafteres Herz für Deutschlands Größe
und Ruhm geschlagen. Auf Bayerns Thron erhoben, richtete der
erlauchteste »Teutsche« sein epochemachendes Lebenswerk
als wahrhaft königlicher Schirmherr aller idealen Bestrebungen in
seiner Landeshauptstadt München aus, eine Fülle von
künstlerischen Schöpfungen über sie ergießend,
die beispiellos in der deutschen Geschichte. Es hat nichts
Überraschendes, zumal in unserer jubiläumstollen Zeit,
daß sich München verpflichtet fühlte, die hundertste
Wiederkehr des königlichen Geburtstages aufs festlichste zu
begehen. Das heutige München wollte damit ausdrücken,
daß ihm ein dankbares Verständnis für all das
Schöne und Große aufgegangen, womit der König Ludwig
vor Zeiten die Stadt überreich beschenkte, – beschenkte zum
größten Teile unter dem Widerspruche, dem Spott und Hohn
der damaligen Münchner, Krähwinkler, Nörgelmeier,
Federfuchser und Kompagnie. Was München durch Ludwig geworden
ist, ist es gegen den Willen der Münchner geworden. Ja, wäre
Ludwig nicht der Feuerkopf und der zähe, unbeugsame, beharrliche


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