Ben Hur - Wilhelm Cremer - Страница 1 из 448


über fünfzig Meilen langer schmaler Gebirgszug, von dessen
rotweißen Klippen man nach Osten auf die arabische Wüste
blickt. Ungezählte Wadis, Rinnsale, haben sich in diesen
Gebirgszug eingegraben, und zur Regenzeit füllen sie sich mit
Wasser, um es dem Jordan oder dem Toten Meer zuzuführen. Aus
einem dieser Wadis, das vom äußersten Ende des Dschebel
gegen Osten ausläuft und in das Bett des Jabbokflusses
übergeht, kam ein Wanderer hervor, der dem Tafellande der
Wüste zustrebte. Dem Aussehen nach mochte er etwa
fünfundfünfzig Jahre alt sein. Sein über die Brust
herabwallender schwarzer Bart zeigte Spuren von Grau, sein Antlitz war
tiefbraun und zum größten Teil durch ein rotes Tuch
verdeckt. Er ritt ein großes, weißes Dromedar, das ein
Zelt auf dem Rücken trug. Die Sonne war gerade aufgegangen, als
das Tier sich aus dem Wadi herausarbeitete. Weithin erstreckte sich
hier die Wüste, von einem Pfade oder Wege konnte hier keine Rede
mehr sein. Aber das Kamel schien einer unsichtbaren Führung zu
folgen und strebte in langen Schritten dem Osten zu. Genau um Mittag
blieb es von selbst stehen und drückte durch einen klagenden
Schrei seine Ermüdung aus. Sein Reiter fuhr auf, als erwache
er aus einem tiefen Schlafe. Sorgfältig prüfte er die Gegend
nach allen Richtungen, wie um sich zu vergewissern, daß er am
rechten Orte angelangt sei. Dann atmete er befriedigt tief auf und
nickte, als wollte er sagen: Endlich! Er legte die Hände


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