Die Abenteuer der Manon Lescaut - Wilhelm Cremer - Страница 1 из 232


Abenteuer der Manon Lescaut und des Chevalier des Grieux Ich bin
genötigt, den Leser bis zu jener Zeit meines Lebens
zurückzuführen, da ich zum erstenmal den Chevalier des
Grieux traf. Das geschah etwa sechs Monate vor meiner Abreise nach
Spanien. Obgleich ich nur selten aus meiner Zurückgezogenheit
heraustrat, unternahm ich doch aus Liebe zu meiner Tochter
verschiedene kleine Reisen, die ich aber nach Möglichkeit
abkürzte. Einmal befand ich mich auf dem Rückweg von
Rouen. Meine Tochter hatte mich gebeten, vor dem normannischen
Parlament ihren Anspruch auf einige Güter zu vertreten, der noch
von meinem Großvater mütterlicherseits herrührte. Ich
fuhr über Evreux, wo ich das erstemal übernachtete, und kam
am nächsten Tag zur Mittagszeit nach Passy, das fünf oder
sechs Meilen davon entfernt liegt. Zu meiner Verwunderung fand ich bei
meiner Ankunft die ganze Einwohnerschaft in großer Aufregung.
Die Leute stürzten aus ihren Häusern und versammelten sich
vor der Tür einer elenden Schenke, vor der zwei bedeckte
Fuhrwerke standen. Die Pferde waren noch angeschirrt, sie dampften vor
Müdigkeit und Hitze. Ich blieb einen Augenblick stehen, um mich
nach der Ursache der Erregung zu erkundigen, konnte aber von der
neugierigen Menge keine Aufklärung erhalten. Die Leute beachteten
meine Frage gar nicht, sondern drängten sich stoßend und
lärmend um die Schenke. Endlich erblickte ich im Tor einen
Soldaten mit Bandelier und einer Muskete über der Schulter. Ich


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