Die Bohème - Wilhelm Cremer - Страница 1 из 361


Buche die Rede ist, haben gar nichts mit jenem Großstadtgesindel
zu tun, aus dem sich unsere Boulevarddramatiker ihre Gauner- und
Meuchelmördertypen heraussuchen. Sie gehören auch nicht zu
jenen Vagabunden, die auf öffentlichen Plätzen als
Bärenführer, Säbelschlucker, Verkäufer von
diebessicheren Türverschlüssen, Glücksbudenbesitzer und
dergleichen ein ebenso interessantes wie für sie selbst
einträgliches Gewerbe betreiben. Das Zigeunertum, das hier
beschrieben wird, ist überhaupt nicht der Gegenwart entsprungen,
es hat zu allen Zeiten und an allen Orten bestanden und kann sich
einer erlauchten Herkunft rühmen. Schon im alten Griechenland
– um nicht weiter in die Vergangenheit hinabzusteigen –
gab es einen berühmten Zigeuner, der auf gutes Glück die
blühende jonische Landschaft durchstreifte, von Almosen lebte und
des Abends die Leier, zu deren Klang er die Liebesabenteuer der Helena
und den Fall Trojas besungen hatte, an irgendeinem gastlichen Herde
aufhing. Auch später finden wir die Vorgänger der modernen
Zigeuner in allen Epochen der Kunst und Literatur. Im Mittelalter sind
es die fahrenden Schüler, die Troubadoure und Minnesänger,
die mit Felleisen und Harfe durch das Land zogen, die die
blühende Tourraine mit ihrem heiteren Gesang erfüllten und
um die goldene Rose in den Blumenspielen der Clemence Isaure
kämpften. Auch in der Zeit des Übergangs zur
Renaissance fährt das Zigeunertum fort, die Straßen


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