Die letzten Tage von Pompeji - Wilhelm Cremer - Страница 1 из 435


Pompejaner. »Kommst du auch heute abend zu Glaukus?« Er
war von kleiner Statur und trug seine Tunika in jener
nachlässigen Weise, an der man die Mitglieder der vornehmen
Lebewelt erkannte. »Leider, mein lieber Klodius, bin ich
nicht eingeladen«, antwortete Diomedes, ein stark gebauter Mann
von mittlerem Alter. »Schön ist das nicht von Glaukus,
seine Abendessen sollen ja die besten von Pompeji sein.«
»Allerdings – obgleich für mich niemals Wein genug da
ist. Er behauptet, nach dem Trinken befinde er sich immer unwohl am
nächsten Tage.« »Er mag wohl noch einen anderen
Grund dafür haben,« sagte Diomedes, indem er die Stirn
runzelte. »Ich glaube, daß er trotz seines Übermuts
und seiner Verschwendung nicht so reich ist, als er scheinen
möchte, und er schont vielleicht mehr seinen Wein als seine
Gesundheit.« »Dieses ist ein Grund mehr, bei ihm zu
speisen, solange die Gelder vorhalten. Im nächsten Jahr,
Diomedes, müssen wir uns einen anderen Glaukus suchen.«
»Er liebt, wie ich höre, auch das Spiel.«
»Er liebt alle Vergnügungen, und solange er uns Feste gibt,
lieben wir ihn auch.« »Da hast du recht, Klodius. Bist
du übrigens schon in meinem Weinkeller gewesen?«
»Daß ich nicht wüßte, mein guter
Diomedes.« »Nun, so mußt du einmal bei mir zu
Abend speisen: ich habe gute Muränen in meinem
Wasserbehälter, und werde auch Pansa, den Ädilen,
einladen.« »Oh, mache nur keine Umstände mit mir,


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