Bei uns zu Lande auf dem Lande - Annette von Droste-Hülshoff - Страница 1 из 119


dem Lande Nach der Handschrift eines Edelmannes aus der Lausitz
Einleitung des Herausgebers Ich bin ein Westfale,
und zwar ein Stockwestfale, nämlich ein Münsterländer
– Gott sei Dank! füge ich hinzu – und denke gut genug
von jedem Fremden, wer er auch sei, um zu glauben, daß er,
gleich mir, den Boden, wo seine Lebenden wandeln und seine Toten
ruhen, mit keinem andern Boden vertauschen würde, obwohl seit
etwa zwei Jahrzehnten, das heißt seit der Dampf daran arbeitet,
das Landeskind in einen Weltbürger umzublasen, die Furcht,
beschränkt und eingerostet zu erscheinen, es fast zur Sitte
gemacht hat, die Schwächen der Alma mater, welche man sonst
Vaterland nannte und bald nur als den zufälligen Ort der Geburt
bezeichnen wird, mit möglichst schonungsloser Hand aufzudecken
und so einen glänzenden Beweis seiner Vielseitigkeit zu geben
– es ist bekanntlich, ja unendlich trostloser, für albern,
als für schlimm zu gelten! – Möge die zivilisierte
Welt also getröstet sein, denn ihre Fortschritte zu der alles
nivellierenden Unbefangenheit der wandernden Schauspieler,
Scherenschleifer und vagierenden Musikanten sind schnell und
unwidersprechlich – dennoch bleiben Erbübel immer schwer
auszurotten, und ich glaube bemerkt zu haben, daß, sobald man
auf die Redeweisen dieser grandiosen Parteilosen sein kräftig
eingeht und etwa hier und dort noch den rechten Drücker aufsetzt,


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