Ein Stadtjunker in Braunschweig - August Egbert von Derschau - Страница 1 из 424


Kapitel Im Gewitter Die Sonne neigte sich dem Untergange zu,
der kurze Herbsttag ging zu Ende, Aber es war kein Herbsttag gewesen,
wie sie sonst der September bringt, voll sonnigen Glanzes, doch auch
voll köstlich erfrischender Luft; man hätte sich im Juli
wähnen können, eine solch' drückende Schwüle
herrschte. Im Westen stand eine düstere Wolkenwand, welcher die
Sonne entgegensank, glühende Pfeile versendend, wie bestrebt, die
kurze Zeit ihrer Herrschaft noch recht auszunützen. Und als
hätten diese glühenden Pfeile gezündet, so strahlten in
feurigem Glanze die Turmkreuze der Stadt Braunschweig und auch wohl
hie und da ein Fenster in den Türmen, welche in
gleichmäßigen Abständen die Stadtmauer krönten.
Am östlichen Horizont aber erschienen in wunderbarer Klarheit die
Hügelketten des Elme-Waldes in sanften Wellenlinien, so nahe dem
Auge gerückt, daß man glauben mochte, in einer halben
Stunde sie zu erreichen. Zwischen den Stoppelfeldern schritt
langsam der Stadt zu ein jugendliches Paar, er im enganliegenden
hellblauen Scheckenrock, am lose über die Lenden
herabhängenden Gürtel den kurzen Dolch, auf der Schulter die
Armbrust – sie im braunroten, den Oberkörper nicht minder
eng umschließenden Gewande, einen leichten Mantel mit roter
Gugel über den Arm tragend. Sie hielt den Kopf etwas
vornübergeneigt, während er eifrig auf sie hineinsprach, um
ihren Mund lag ein stilles Lächeln, und als sie ihn jetzt ansah


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