Die Nonne - Denis Diderot - Страница 1 из 373


Der vorliegende Roman, »Die Nonne« von Denis Diderot,
erregte, als er in Frankreich zur Veröffentlichung gelangte,
einen Sturm der Entrüstung. Ganz besonders war es die hohe und
niedere Geistlichkeit, welche sich in Schmähungen und
Verwünschungen gegen den Verfasser nicht genug thun konnte und
diesen gar zu gerne dem Scheiterhaufen überliefert hätte
– wenn er nicht schon vorher gestorben wäre. Denn erst im
Jahre 1793, nachdem der Sturmwind der Revolution die Privilegien des
Adels und des Klerus hinweggefegt, erschien der Roman »Die
Nonne« mit verschiedenen anderen Schriften Diderots im Druck;
doch ist anzunehmen, daß das Werk etwa um dreißig Jahre
früher entstand und handschriftlich wie auch durch Vorlesungen in
den den Enzyklopädisten nahe stehenden Kreisen bekannt war.
Wie fast allen Werken Diderots liegt auch diesem Werke eine Thatsache
zu Grunde. Im Jahre 1757 strengte eine Nonne des Klosters Longchamp
einen Prozeß gegen ihre Eltern an, die sie gezwungen hatten, den
Schleier zu nehmen. Der damals noch allmächtige Klerus verstand
es, alle Versuche des unglücklichen Opfers, sich dem ihm
aufgedrungenen Berufe zu entziehen, zu unterdrücken, und selbst
der von der Unglücklichen in Scene gesetzte öffentliche
Skandal hatte keine andere Wirkung, als der Ärmsten eine noch
schlimmere Behandlung zu verschaffen, die in ihrer ausgesuchten
Grausamkeit vor den gewagtesten Mitteln nicht zurückschreckte.


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