Herrn Rameaus Neffe - Denis Diderot - Страница 1 из 163


quodquod sunt, natus iniquis.
(Horaz, Buch II. Satire VII.) Vorwort
(von Johann Wolfgang von Goethe) Das bedeutende Werk, welches wir
unter diesem Titel dem deutschen Publikum übergeben, ist wohl
unter die vorzüglichsten Arbeiten Diderots zu rechnen. Seine
Nation, ja sogar seine Freunde warfen ihm vor, er könne wohl
vortreffliche Seiten, aber kein vortreffliches Ganze schreiben.
Dergleichen Redensarten sagen sich nach, pflanzen sich fort, und das
Verdienst eines trefflichen Mannes bleibt ohne weitere Untersuchung
geschmälert. Diejenigen, die also urteilen, hatten wohl den
Jacques le fataliste nicht gelesen; und auch gegenwärtige
Schrift gibt ein Zeugnis, wie glücklich er die heterogensten
Elemente der Wirklichkeit in ein ideales Ganze zu vereinigen
wußte. Man mochte übrigens als Schriftsteller von ihm
denken, wie man wollte, so waren doch Freunde und Feinde darin
einverstanden, daß niemand ihn, bei mündlicher
Unterhaltung, an Lebhaftigkeit, Kraft, Geist, Mannigfaltigkeit und
Anmut übertroffen habe. Indem er also für die
gegenwärtige Schrift eine Gesprächsform wählte, setzte
er sich selbst in seinen Vorteil, brachte ein Meisterwerk hervor, das
man immer mehr bewundert, je mehr man damit bekannt wird. Die
rednerische und moralische Absicht desselben ist mannigfaltig. Erst
bietet er alle Kräfte des Geistes auf, um Schmeichler und
Schmarotzer in dem ganzen Umfang ihrer Schlechtigkeit zu schildern,


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