Rameaus Neffe - Denis Diderot - Страница 1 из 185


Diderot übersetzt von Goethe Mit Zeichnungen von Antoine
Watteau »Rameaus Neffe«
trägt die Spannungen des gesellschaftlichen Körpers in sich
aus, er ist ein Parasit der Gesellschaft, die sich für die gute
Gesellschaft hält. Er sieht die eigene Niederträchtigkeit so
klar und scharf wie die der anderen. Und dabei kommen wahre Einsichten
heraus, Einsichten in die Musik und in die Moral. Wie viele von
Diderots besten Werken wurde »Rameaus Neffe« nicht zu
seinen Lebzeiten gedruckt. Das Manuskript kam nach
St. Petersburg, wo Goethes Jugendfreund Klinger es entdeckte, es
gelangte zu Schiller, der Goethe um die Übersetzung bat. Ein
abenteuerlich schöner und kühler Text – und Goethes
geniale und interessanteste Übersetzerarbeit.
Rameaus Neffe
Vertumnis, quotquot sunt, natus iniquis
Horat. Liber II. Satyr. VII. Es mag schön
oder häßlich Wetter sein, meine Gewohnheit bleibt auf jeden
Fall um fünf Uhr abends im Palais Royal spazierenzugehen. Mich
sieht man immer allein, nachdenklich auf der Bank d'Argenson. Ich
unterhalte mich mit mir selbst von Politik, von Liebe, von Geschmack
oder Philosophie und überlasse meinen Geist seiner ganzen
Leichtfertigkeit. Mag er doch die erste Idee verfolgen, die sich
zeigt, sie sei weise oder töricht. So sieht man in der
Allée de Foi unsre jungen Liederlichen einer Kurtisane auf den


-10     пред. Страница 1 из 185 след.     +10