Die Maikönigin - Ernst Dronke - Страница 1 из 180


Ernst Dronke   Erstdruck:
Verlag Lorck
Leipzig 1846   1. Der Morgen im Walde.
O Maienzeit, o du rosige Zeit,
Wo die Erde sich schmücket in güldenem Kleid,
Es ruhen die Berge, die rauschenden Flüsse schäumen,

Die perlenden Blumen im Walde nicken in Morgenträumen,
Und im Busche singet mit süßem Schall
Von der Liebe Lust die Nachtigall.
        Juchhe! O
Maienzeit, o du rosige Zeit,
Wie wird dem Burschen das Herz so weit,
Zu ziehen, zu wandern mit freien, frischen Sinnen,
Wer bliebe da noch länger in den öden Mauern drinnen.

O du süßeste Jungfer Nachtigall,
Grüß meinen Schatz viel tausendmal,
        Ade! Von
der Höhe seines Kammes zieht sich das Gebirge in Kuppen und
Tälern mehrere Meilen weit langsam abdachend hinab bis zu jenen
Bergwänden, welche den Rhein einschließen. Diese
Bergwände, so hoch sie auch erscheinen, bilden doch erst den
Anfang des eigentlichen Gebirges. Wer vom Rhein aus, an den Schlot des
Dampfbootes gelehnt, diese wilden, dunkeln Riesenhäupter
betrachtet, die so trotzig gegen den Himmel emporragen, der malt sich
gewiß in träumender Bewunderung das Bild aus, welches dort
oben ein Blick in das weite, offene Land gewähren müsse;
aber einmal auf diesen Höhen angelangt, sieht er mit Staunen die


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