Am Hof Herrn Karls - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 184


I. Die Freibitte Ihrer
der Frau Herzogin zu Trachenberg,
Fürstin Natalie von Hatzfeld,
Durchlaucht
 
verehrungsvoll zugeeignet   I. In dem
Palatium der Langobardenkönige zu Pavia reichte der von der
Königin und ihrer Tochter bewohnte Flügel bis dicht an das
Ufer des Tessin, dessen Fluten auch an schwülen Sommertagen
einige Kühlung der gegen den Fluß hin offenen
Säulenhalle, dem Hauptgemach der Frauen, zuführten. Hier
waren an einem solchen heißen Sommerabend um Ansa, die
ehrwürdige Gemahlin des Königs Desiderius, und um Adalperga,
deren Tochter, eine Anzahl vornehmer langobardischer Frauen und
Mädchen, auch Geistliche und ein Paar weltliche
»Gasindi« und Höflinge des Palatiums versammelt.
Die Königin war ernst, ja sorgenvoll, so schien es, im
Hintergrund der weiten Halle in ein Gespräch mit Bischöfen
und älteren Vornehmen vertieft, indes die schöne Adalperga
– schon feierten Lieder, nicht nur lateinische der Hofpoeten,
auch langobardische im Mund des Volkes ihre Anmut, Bildung und
Herzensgüte – ganz vorn auf der offenen Bogenwölbung
gegen den Fluß hin an einem mächtigen Steintisch saß,
dessen Mosaikplatte zahlreiche Handschriften trug; diese zu ordnen und
allmählich in eine hohe eherne Amphora wegzulegen war ein junger
Mann beschäftigt, dessen Kleidung ein seltsames Gemisch von


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