Attila - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 262


Völkerwanderung (a. 453 n. Chr.) Hermann Lingg,
dem Sänger der Völkerwanderung,
in alter Verehrung und alter Freundschaft
zugeeignet. Erstes Buch. Erstes Kapitel.
Dunkel lag die schwüle Sommernacht auf dem gewaltigen
Donaustrom. – Fast einem Meeresarme glich die
unüberblickbare Breite der Fluten, die, an den beiden Uferseiten
oft in Schlamm versumpfend, auch in der Mitte des Bettes die
ungeheueren Massen ihrer Gewässer nur träge vorwärts
wälzten nach Osten: denn sehr zahlreich waren die kleinen Werder,
die, mit Busch- und Baumwerk üppig begrünt, dem rinnenden
Zuge hemmend sich vorgelagert hatten. – Eines dieser schmalen
Eilande erhob sich nur wenig über den Spiegel des Flusses; rings
von manneshohem Schilf umgürtet trug es nur ein paar Bäume:
uralte Weidenstämme, nicht sehr hoch aufgeschossen, jedoch von
mächtigstem Umfang, knorrig, mit phantastischen Auswüchsen
an Krone, Ästen und Rinde. Der Mond stand nicht am Himmel;
und die Sterne waren bedeckt von dichtem Gewölk, das der
feuchtwarme Südwest mit triefenden Schwingen langsam vor sich her
schob. Im fernen Osten aber zuckte zuweilen fahler Schein über
den schwarzen Himmel hin, geisterhaft, unheimlich; noch drohender
drückte dann die dem raschen Aufleuchten folgende tiefe, wie
Verderben brütend schweigende Nacht. – – Mit leisem
Gurgeln und Zischen drängte sich das Gerinn des Stromes langsam,


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