Bissula - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 312


einmal zu Friedrichshafen am schönen Bodensee an klarem
Augustabend die Sonne prachtvoll versinken sah hinter den
Buchenwipfeln von Manzell, – wer die Fluten des Sees und die
schneeigen Häupter der Alpen vom Säntis bis zu den
Allgäuer Bergen erglühen sah in purpurnem Licht,
während die Glockentöne des Ave Maria leise hinzittern
über Wald, Wiesgrund und Wasser, – der wird seiner Lebtage
das friedevolle Bild dankbar tragen in seinen Gedanken. Dorthin
führt uns die kleine Geschichte von der kleinen
»Bissula«. – Aber damals, im Jahre 378
unserer Zeitrechnung, sah es noch gar unwirtlich und oft auch
unfriedlich aus auf dem ganzen Nordufer des »Venetus
lacus« (Bodensee). Urwald und Ursumpf bedeckten die Niederungen:
nur selten, spärlich verstreut, erhoben sich Ansiedelungen auf
getrocknetem, gerodetem Bauland. Viel tiefer landeinwärts als
heute erstreckte sich damals der See: und noch bedeutend weiter als
der See ein feuchtes Mittelding von Seegebiet und Uferland, eine Art
Grenzstrich zwischen Wasser und Wiese, der, den größten
Teil des Jahres über von Sumpf überzogen, dem Wildschwan,
dem Reiher und zahllosem kleineren Wassergevögel Zuflucht
zugleich und Weide bot. Dies Land war schon geraume Zeit im Besitz
der Alamannen. Auf dem Südufer des Sees aber behauptete sich
noch die römische Macht: vor allem, um die wichtige
Legionenstraße zu beherrschen, welche aus Gallien über
Augst (Augusta Rauracorum) bei Basel, Windisch (Vindonissa) nach Arbon


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