Chlodovech - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 216


an einem schwülen Sommerabend, da lag in dem stattlichsten Hause
von Tournay (– Doornick an der Schelde –) ein Mann
schwer leidend; der vornehme Römer, dem das Gebäude dereinst
gehört hatte, war schon längst – gleich bei der
Annäherung der salischen Franken – aus der Stadt, dann
über die Alpen nach Italien entflohen; nach der Einnahme der
Feste hatte der salische Gaukönig Childirich an einer Säule
in dem Atrium des Hauses seinen Schild aufgehängt und Wohnung
genommen: nun – viele Jahre später – lag er hier an
tiefer Wunde danieder. Das Schlafgemach war von einer kleinen
Ampel aus Bernstein, die von der marmorgetäfelten Decke
herniederhing, nur schwach erhellt: ihr mattes Licht ward aufgesogen
von den dunkeln, schweren Vorhängen, welche die Wände des
schmalen viereckigen Raumes bedeckten und die fehlende Thür
ersetzten. Der Leidende, ein Mann von etwa fünfzig Jahren, stark
von Gliedern und vollrüstig, lag auf einem niedern Ruhebett, die
Füße bedeckt mit einem mächtigen Bärenfell; auf
einem zierlichen Dreifuß von durchbrochener korinthischer
Erzarbeit bei seinen Häupten verbreiteten getrocknete und auch
frisch gepflückte Heilkräuter würzigen Geruch. Vor ihm
stand eine hochragende, ja gewaltige Frauengestalt, wenige Jahre
jünger; sie strich ihm mit der Linken zärtlich über
die glühende Stirn, über das kaum ergraute Blondhaar, das in
den langen merovingischen Königslocken bis auf die Schultern


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