Der Vater und die Söhne - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 71


Historischer Roman aus der Völkerwanderung
I. In dem Schreibgemach des
bischöflichen Palastes zu Sevilla trat in einer
Frühlingsnacht des Jahres 579 nach Christus eine Anzahl von hohen
Geistlichen des Westgotenreiches zu geheimer Beratung zusammen. Es lag
in dem Erdgeschoß des wuchtigen, düsteren Baues streng
byzantinischen Stils: dumpf lastete das niedrige Gewölbe des
schmalen Raumes, den ein paar geweihte rote Wachskerzen, auf hohen
Silberleuchtern aufgesteckt, – sie verbreiteten im Brennen
süßlichen weihrauchähnlichen Geruch – nur
schwach erhellten. Das einzige Rundbogenfenster blickte nicht auf die
Straße, sondern in den kreisrunden hoch ummauerten Hof des
weitläufigen Gebäudes. Die Beratung mußte wohl
gar geheime Dinge betreffen: denn der dicke Laden aus
Edelkastanienholz war sorgfältig geschlossen und von dichten
Wollteppichen verhängt, die auch die beiden schmalen Pforten
verkleideten, so daß die draußen auf den Schwellen
wachenden Ostiarii, die unwillkommenen Besuch abwehren oder doch
rechtzeitig melden sollten, nichts von den drinnen gewechselten Reden
vernehmen konnten. Auch der kostbare Mosaikestrich – er stellte
in bunten Farben die Arche Noah mit ihrem Getier dar – war so
hoch mit Decken belegt, daß die ohnehin so leisetretenden
Sandalen der Priester geräuschlos hin und her glitten. In der
breitesten Wand, dem Fenster gegenüber, war in den edeln


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