Die schlimmen Nonnen von Poitiers - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 177


Historischer Roman aus der Völkerwanderung (a. 589 n. Chr.)
Motto:
– – ridentem dicere verum
quid vetat?          
Horatius, Sat. I, 1, 24. Dem Andenken
meines lieben Freundes und Landsmannes
Karl Stieler. Erstes Kapitel Es war
– nach urkundlicher Überlieferung – am
Frühmorgen des ersten Märztages im Jahre
fünfhundertneunundachtzig. Heftiger Wind warf Regen und
Schnee, durcheinandergemischt, an die Holzläden, mit welchen, in
Ermangelung von Glas, das Rundbogenfenster des Schlafzimmers im
Bischofshause zu Tours geschlossen war. Die Ampel, die, von der Decke
herabhängend, in schöner Bronze-Umschalung ruhend, die Nacht
über gebrannt hatte, war dem Erlöschen nahe. Daran merkte
der hochehrwürdige Herr Bischof von Tours, daß der Tag
angebrochen sein mußte. Er wachte schon lange. Sowie der
Schlummer von ihm gewichen war, hatte er, fromm und tiefgläubig,
mit warmer Inbrunst sein Morgengebet gesprochen. Daran reihte er das
Vaterunser. Als er an die schweren Worte kam: »Wie auch wir
vergeben unsern Schuldigern,« erhob er die Stimme lauter. Und
nach dem Amen sagte er: »Ja, ich vergebe ihnen – allen.
Unter den Verstorbenen dem argen, argen Grafen Leudast. (Ob der wohl
im Fegefeuer vom Ränkeschmieden lassen kann?) Und unter den
Lebenden der bösen Königin Fredigundis, Und sogar –
ja, ich will ihm vergeben: es muß sein! – Ihm! Du


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