Ebroin - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 345


Sommernacht des Jahres sechshundertachtunddreißig nach Christus
wurden vor den Thoren von Poitiers zwei Kinder geboren. Nahe beisammen
standen die beiden Häuser, aber weit von einander ab lagen die
Lebensgeschicke der beiden Elternpaare. In Colonnata, der alten
Römervilla, der marmorsäulengetragenen, ward Frau Sigrada,
der Gemahlin des reichen, vornehmem Geschlecht entstammten Herzogs
Leodegast, wie sie in weichen Polstern lag, der Beistand des
griechischen Hofarztes, den der Enkel Fredigundens, König
Dagobert, ihr schon vor Wochen gesandt hatte. Und ihr Bruder, der
machtreiche, prachtreiche, hoch gebildete und kunstverständige
Bischof Dedo von Poitiers, aus dem Vorgemach hereingerufen, sobald das
Kind zu Lichte war, segnete den Neffen, berührte ihm Stirn und
Herz mit den in goldenem Schrein mitgebrachten Gebeinen des heiligen
Hilarius von Poitiers und legte ihn dann, in Purpurwindel gewickelt,
in den Schrein selbst auf diese geweihten Überbleibsel. Dann
sprach er: »Wie ich des Knaben Schirmer auf Erden, soll
Sankt Hilarius sein Schutzpatron im Himmel sein. » Non
sine Dîs animosus infans«, ›nicht ohne
Götterschutz ein mutig Kind‹, würde mein
Lebenslehrer, der weise, heitre Schalk von Venusia, sagen. Und der
Herr König hat versprochen, ihn aus der Taufe zu heben. So wird
es dem Buben nicht fehlen, weder im Himmel noch auf Erden. –
Schau nur, Herr Schwager, die kostbare Arbeit an dem Schrein: 's ist


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