Felicitas - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 156


in der Bibliothek, in dem Museum der römischen Altertümer.
Meine Studien galten besonders dem V. Jahrhundert: der Zeit, da die
Germanen in diese Landschaften drangen, die römischen
Besatzungen, mit oder ohne Widerstand, abzogen, während gar viele
römische Siedelungen im Lande blieben: Bauern, Handelsleute,
Handwerker, die ihre Heimstätten nicht räumen, ihr
einträgliches Geschäft nicht aufgeben wollten, nicht weichen
von der liebgewordenen langgepflegten Scholle auch unter Herrschaft
der Barbaren; diese, war der Sturm und Kampf der Eroberung
vorüber und die Landteilung vollzogen, thaten ihnen nichts
zuleide. – War die Arbeit des Tages gethan, streifte
ich in der schönen, altvertrauten Landschaft des Salzachthales:
die warmen Juni-Abende verstatteten langes Umtreiben bis zu
späten Stunden. Gedanken und Träume waren mir
erfüllt von den Bildern des Lebens und der wechselnden Geschicke
dieser spätesten Römer in den Alpenländern. Gerade
in und um Salzburg forderte die reiche Fülle von Inschriften, von
Münz- und Gerät-Funden, von römischen Denkmalen jeder
Art die Phantasie zu eifriger Gestaltung auf: denn diese Stadt, mit
dem ragenden Kastell, dem »Capitolium«, auf dem hohen
Felsenkopf, Fluß und Thal beherrschend, war unter dem stolzen
Namen » Claudium Juvavum« jahrhundertelang nicht nur ein
Hauptbollwerk römischer Herrschaft, auch eine Stätte
blühender und glänzender Entfaltung römischer Kultur:


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