Herzog Ernst von Schwaben - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 143


Erzählung aus dem elften Jahrhundert
Motto: – » Ernestus, dux
et decus Alamannorum«
Necrologia St. Galli
ed. Dümmler et Wartmann p. 50.
Erstes Buch.   I. Im Jahre
eintausendvierundzwanzig vereinte das Pfingstfest ein paar geistliche
Große in der Schwarzwald-Villa Eberhof des betagten Herzogs
Ernst von Schwaben. In der weiten Halle des Mittelbaus stand in der
Nische des einzigen großen offnen Rundbogens am Morgen des
Pfingstsonntags ein Mann in reicher bischöflicher Tracht in
vertrauter Zwiesprach mit einem erheblich Jüngeren im schwarzen
Priestergewand, der ehrerbietig in das kluge, überlegen blickende
Auge, in die feinen, scharf geschnittenen Züge des Ältern
emporsah. »Versäume nicht,« begann dieser,
»die Briefe, die ich dir diktiert, – wenigstens die drei
in Geheimschrift – durch verlässige Boten heute noch
abzusenden.« – »Heute, bischöfliche Gnaden? An
so hohem Feiertag? Da sind Botenfronden nicht zu verlangen. Ja,
verboten.« – »Ich entbinde vom Verbot und bezahle
die Ritte: dann sind es nicht Fronden. Es eilt, kann wenigstens eilen.
Die Nachrichten von Kaiser Heinrich lassen dessen baldigen Heimgang
erwarten. Vorher müssen alle Gutgesinnten sich über die
Nachfolge verständigt haben. Das kostet Zeit und Mühe. Drum
eile, mein Gozelo.« Der Priester verneigte sich, dann


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