Stilicho - Felix (Ludwig Julius) Dahn - Страница 1 из 194


Kaisers Theodosius zu Mailand diente ein umfangreicher, auf allen vier
Seiten von Säulengängen umgebener Hof den kriegerischen
Spielen der vornehmen Knaben und Jünglinge wie der Römer so
der vielen befreundeten oder auch unterworfenen Völker, die als
Zöglinge, als »Gäste«, in Wahrheit oft als
Geiseln, unter Aufsicht und Gewalt des Imperators in Italien lebten.
In diesem Hofe tummelten sich gegen Ende des vierten Jahrhunderts
unter Römern, Griechen, Asiaten auch zahlreiche junge Germanen
von mancherlei Stämmen. Der Älteste von diesen, auch seiner
Volksgenossen hohe Gestalten um Haupteslänge überragend,
aber das blonde Haar nach Römersitte kurz geschnitten und den
sprossenden Flaumbart beschoren, in römische Tunika gekleidet,
mit römischen Sandalen beschuht, hatte sich aus dem Getümmel
der wettspielenden Genossen zurückgezogen und auf eine der hohen
Stufen des Säulengangs gesetzt, von wo er sinnend das Auge
über die eifrig, ja hitzig mit Ringen, Speerwurf,
Pfeilschuß Wettkämpfenden gleiten ließ. Lange
saß er so, ruhig, verhalten, mit ernsterem Ausdruck als seinen
Jahren zukam. Da störte ihn aus seinem Nachdenken auf ein etwa
fünf Jahre jüngerer Freund, der, ebenfalls unverkennbar ein
Germane, nichts Römisches an sich trug, sondern in allen
Stücken die Tracht seines Volkes. »Eh Stilicho,
höre!« rief er mit heller, wohllautender Stimme in der
Sprache der Westgoten, einen gotischen Wurfspeer schwingend,


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