Anker geschlippt - Friedrich von Dincklage-Campe - Страница 1 из 89


Geschichte eines Marineoffiziers Aus den Schloten der
»Vierlanderin«, eines jener prächtigen Dampfer der
Hamburg-Amerikanischen-Paketfahrt Aktiengesellschaft, stiegen die
dicken Rauchwolken zum klaren Morgenhimmel hinauf. Die Vierlanderin
gehörte zu jener Klasse von Schiffen, die den Elbstrom
hinaufdampfen und am Kai festmachen konnten, während die
mächtigen Kolosse der neuesten Zeit bei Brunshausen zu Anker
gehen müssen. Schon war das zweite Signal zur Abfahrt gegeben,
und alle diejenigen, welche die Fahrt über den Ozean nicht
mitzumachen beabsichtigten, beeilten sich, von Bord zu kommen –
nach einem letzten Scheidekusse unter Tränen, nach kräftigem
Händedrucke mit dem Wunsche »gute Fahrt« oder auch
ohne irgend welche Gefühlsäußerung mit ernster
Geschäftsmiene. Die Abschiedsszenen waren beendet. Das Deck
blieb dicht gefüllt mit Reisenden beider Geschlechter und
jeglichen Alters. Lud doch der sonnige Märzmorgen ein, im Freien
zu bleiben, während der herrlichen Elbfahrt. Schon standen
die Matrosen bereit, auf ein Zeichen des ersten Offiziers die
mächtigen Trossen, mit denen die Vierlanderin am Kai festgemacht
war, loszuwerfen, schon war die deutsche Flagge vorgeheißt, und
eben wollte Kapitän von Delden die Treppe zur Kommandobrücke
betreten, um durch ein kurzes Befehlswort in das Sprachrohr zum
Maschinenraum das mächtige Fahrzeug in Bewegung zu bringen, als
noch zwei Männer das Deck betraten. Des Seemanns geübter


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