Feuer - Gabriele D'Annunzio - Страница 1 из 478


Herz nicht zum erstenmal?« – fragte die Foscarina mit
schwachem Lächeln, die Hand des schweigsamen Freundes, der an
ihrer Seite saß, leicht berührend. – »Ich sehe
Sie ein wenig bleich und nachdenklich. Welch schöner, sieghafter
Abend für einen großen Dichter!« Mit einem
Blick ihrer empfänglichen Augen umfaßte sie die ganze
göttliche Schönheit, die der letzte Dämmerschein des
Septemberabends ausströmte. In diesem leuchtend dunkeln Himmel
umkränzten Lichtgirlanden, vom Ruder im Wasser erzeugt, die
aufragenden Engel, die in der Ferne auf den Glockentürmen von San
Marco und San Giorgio Maggiore schimmerten. »Wie
immer« –- fuhr sie mit ihrer süßesten Stimme
fort – »wie immer ist alles Ihnen günstig. Welche
Seele könnte sich an einem Abend, wie heute, den Träumen
verschließen, die Sie durch Ihre Worte heraufbeschwören
werden? Fühlen Sie nicht schon, wie die Menge bereit ist, Ihre
Offenbarung zu empfangen?« So umschmeichelte sie den
Freund in zarter Weise, liebkoste ihn mit Schmeichelworten, hob seine
Stimmung durch unablässiges Lob. «Man konnte
kein prächtigeres und ungewöhnlicheres Fest ersinnen, einen
so reizbaren Dichter, wie Sie, aus dem elfenbeinernen Turm zu locken.
Ihnen allein war die Freude vorbehalten, zum erstenmal zu einer Menge
zu sprechen an einem so erhabenen Ort, im Saal des Großen Rates,
auf der Tribüne, von dereinst der Doge zu der Versammlung der


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